Windows 10: Warum Windows 7 so viel besser war.

Windows 10 nervt mich. Und zwar gewaltig! Dabei hatte es so geniale Vorgänger. Ganz abgesehen von datenschutzrechtlichen Bedenken (nicht umsonst hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eine Menge zu Windows 10 veröffentlich), kommt da so einiges zusammen:

Windows XP

Wie wohl die meisten anderen Kinder der 90er Jahre habe ich Windows als Synonym für Betriebssysteme kennengelernt. Nachdem ich mit Windows 95 und Windows 98 aufgewachsen war, nutzte ich Windows XP glücklicherweise selbst lange genug, um Windows Vista nur auf dem Computer eines Freundes kennenlernen zu müssen. XP und Vista unterschieden sich damals wie Tag und Nacht. Endlich gab es ein Betriebssystem, das mit halb-transparenten Fenstern und frei wählbaren Farbschemata wirklich hübsch anzusehen war. Eine nie gesehene Schönheit, aber leider nur so gespickt von Fehlern. Viele Programme liefen unter Vista gar nicht mehr oder wenigstens nicht mehr stabil.

Windows XP dagegen war für mein Empfinden stabil ohne Ende. Nicht besonders hübsch, aber leistungsfähig – und das, obwohl die aller erste Version nicht mal W-LAN kannte. Eine W-LAN-Funktion wurde erst später mit einem Service Pack nachgeliefert. Wäre der Support nicht irgendwann eingestellt worden, würde ich vielleicht heute noch XP nutzen. Und wie ich höre, tun das einige Behörden und Schulen tatsächlich noch. Gut, dass ich Lehrer werde.

Windows 7

Auf Windows Vista folgte Windows 7 und das war der Hammer: Es kombinierte die fehlerresistente Stabilität von XP mit dem Transparenz-bietenden Design von Vista. Ganz so, als hätten beide Vorgänger nur ihre besten Gene weitergegeben, wurde daraus Windows 7 geboren. Jahre lang war Windows 7 ein alternativloses Betriebssystem, das alles konnte, was das Herz begehrt. Machte keine Probleme und sah gut aus. Und was hätte ich dafür gegeben, dass der Support über den 14. Januar 2020 hinaus verlängert worden wäre.

Doch es kam alles anders. Microsoft publizierte relativ schnell Windows 8, das erstmals keinen klassischen Desktop mehr besaß, sondern die von den damals noch existenten Windows Phones bekannte Kacheloptik. Genau wie das Windows Phone war es ein Flop. Schnell folgte also Windows 8.1, übrigens eine marketing-technisch bemerkenswert unkreative Versionsbezeichnung, das als zentrale Änderung die Wiedereinführung des klassischen Desktops parallel zur Kacheloberfläche bot. Vielleicht war das schon ein Vorbote noch viel schlimmerer Parallelwelten, die Microsoft seinen Nutzern später aufbürden würde, doch noch ahnte wohl niemand, was noch kommen würde.

Windows 10

Dann wurde Windows 10 angekündigt. Mein Gott, was ein Kracher musste da wohl kommen! Wenn das System so gut werden musste, dass sogar eine ganze Versionsnummer einfach übersprungen wurde, konnte man sich nur freuen. Und zu allem Überfluss war es für Windows 7-, 8- und 8.1-Kunden kostenlos. Einfach upgraden, schon hatte man Windows 10. Die Vorschussloorbeeren rankten bis zum Mond und zurück.

In gleichem Maße misslang mein erster Test. Das neue Betriebssystem unterstützte noch meine Grafikkarte noch nicht, sodass ein einfacher Videostream ausreichte, um einen Totalabsturz des Systems zu provozieren, und geliebte Videospiele liefen nicht mehr. Das reichte mir, um für weitere zwei Jahre zurück zum alt bekannten, perfekten Windows 7 zu kehren. Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwann endete der Support, Sicherheitslücken würden die Nutzung zu gefährlich machen, also wechselte ich zu Windows 10, naja, fast.

Eigentlich wurde ich zu Windows 10 gewechselt. Denn der unglaublich aufdringliche Upgrade-Assistent machte das von ganz alleine. Er wurde unbemerkt mit einem Windows-Update installiert und lud schon mal fleißig, still und heimlich im Hintergrund seinen Ur-Ur-Enkel herunter. Das mag für manch einen praktisch sein – mit einer auf dem platten Land verfügbaren Bandbreite von Sage und Schreibe 6 MBit/s merkte das leider meine ganze Nachbarschaft. Da es nicht möglich war, den Assistenten zu entfernen, wendete ich zunächst Zusatzsoftware ein (ein weiterer Vorbote großen Unheils), doch irgendwann ergab ich mich. Upgrade.

Das schlechteste Betriebssystem seit Vista: Windows 10

Inzwischen kam Windows 10 mit meiner Grafikhardware klar, hatte einige Verbesserungen hinter sich und lief stabil. Keine Kacheln, individuelle Stile, alles schien in Ordnung. Doch dann ging es los:

Dinge, die man nicht ausschalten kann

Windows 10 bietet den Sprachassistenten Cortana, den man nicht abschalten kann, ohne Programmierfähigkeiten und ein tieferes Verständnis von Betriebssystemen zu besitzen oder ohne externe Zusatzsoftware zu nutzen – warum gibt es dafür nicht einfach einen Schalter?

Mit Windows 10 bekommt man den Browser Edge, der kein Stück besser ist als sein Vorgänger Internet Explorer – aber ebenfalls nicht deinstalliert werden kann.

Dinge, die man nicht mehr ausschalten kann

Windows 10 sorgt fleißig für Werbeanwendungen á la CandyCrush & Co., die ungefragt immer wieder installiert werden, bis man in der Windows-Registry unter HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Policies\Microsoft\Windows\ dem Schlüssel CloudContent einen DWORD (32-bit) Value namens DisableWindowsConsumerFeatures erstellt und ihm anschließend eine 1 als Wert zuweist. Also offensichtlich kinderleicht abzuschalten, wenn man Informatik studiert. Für Normalanwender gab es früher einen Schalter, der dieselbe Funktion erfüllte – bis Microsoft merkte, dass zu viele Nutzer (verständlicherweise) davon Gebrauch machten. Also wurde der Schalter entfernt.

Doppeltgemoppelte Systemsteuerung

Die neue Systemsteuerung, die der Ankündigung nach so unheimlich Touchscreen-freundlich gestaltet sein soll, erinnert in ihrem Aufbau tatsächlich sehr an die „Einstellungen“-App von Mobiltelefonen. Leider aber auch in ihrem Funktionsumfang. Dies merkt man daran, dass immer dann, wenn man nur ein kleines bisschen detailliertere Einstellungen aufrufen möchte, wieder die Windows 7-Systemsteuerung angezeigt bekommt. Dafür, dass das Betriebssystem heute mehr als fünf Jahre alt ist, hätte man erwarten dürfen, dass das inzwischen vereinheitlich worden wäre. Aber Fehlanzeige: Irgendwie hat man die alte Systemsteuerung beibehalten und die aller-wichtigsten Funktionen in stark abgespeckter Form noch ein zweites Mal als „Windows 10 Einstellungen“ oben drauf gepackt.

Inkonsistenzen

Windows 10 zeigt einen 79% Ladebalken für 97,69% Fortschritt.
79% Ladebalken für 97,69% Fortschritt.

Inkonsistenz bedeutet in der Logik Widersprüchlichkeit. Im Zusammenhang mit Informatiksystemen spricht man oft von Inkonsistenz, wenn Daten an unterschiedlichen Stellen verschieden sind, obwohl sie gleich sein sollten. Eine Anzeige auf dem Bildschirm ist konsistent, wenn sie den dargestellten Daten im Hintergrund entspricht. Das hat hervorragend funktioniert, bis Windows 10 um die Ecke kam: Wer in Windows 7 einen Ladebalken beobachtete, der 85% Fortschritt anzeigte, durfte auch davon ausgehen, dass das der tatsächliche Fortschritt war. Unter Windows 10 dagegen scheinen Ladebalken nur noch illustrierende Funktion zu haben und beliebige Werte zwischen 0 und 100% anzuzeigen, unabhängig davon, wie groß der darzustellende Fortschritt tatsächlich. Das nebenstehende Bildschirmfoto zeigt dies sehr eindrücklich. Es wurde aufgenommen auf der „Updates“-Oberfläche des Microsoft Store. Beim Herunterladen waren bereits 85,83 MB von 87,86 MB aus dem Internet bezogen worden, rund 97,69%. Der blaue Balken darunter, mal abgesehen davon, dass er sich sowieso nur sprunghaft und sehr unregelmäßig bewegt, zeigt aber 316 blaue Pixel auf einer 400 Pixel langen, grauen Leiste an: genau 79%.

Benutzerunfreundliche Oberfläche

Das Startmenü unterstützt dieses Gefühl einer Oberfläche, die nicht ganz mit dem System darunter zusammenpasst, noch weiter: Klickt man im Startmenü auf eine Kachel, wird das Startmenü – anders als bei Windows 7 beispielsweise – nicht immer sofort ausgeblendet. Der ungeduldige PC-Nutzer klickt vielleicht ein zweites Mal auf dieselbe Kachel, weil er meint, den Startvorgang eines bestimmten Programms damit beschleunigen zu können. Klickt er irgendwann fünf, sechs, sieben Mal auf die Kachel, bevor das Startmenü endlich verschwindet, wird das angeklickte Programm tatsächlich so oft geöffnet, wie geklickt worden ist. Danke, Windows 10, das ist genau, was ich wollte.

Rund 10 Sekunden Wartezeit, bis ich die Schaltfläche
anklicken darf, ich ich benötige.

Und dann gibt es die Suche nach verfügbaren Druckern, die nach alledem zuvor Beschriebenen das letzte Quäntchen war, das noch gefehlt hat, um diesen Beitrag zu schreiben. Sucht man nach verfügbaren Druckern in den Windows 10-Einstellungen, erscheint nach einer Weile (manchmal fünf, manchmal zwölf Sekunden) eine Schaltfläche „Der gewünschte Drucker ist nicht aufgelistet“. Mit der Schaltfläche kann man dann beispielsweise Netzwerkdrucker anbinden, die nicht automatisch gefunden werden. Meine Frage: Warum kann man nicht sofort darauf klicken? Wenn ich sofort weiß, das Windows den Drucker nicht finden kann, warum muss ich dem System erst kostenbare Sekunden lang zuschauen, bis es mir endlich die Schaltfläche anzeigt, die ich brauche, um weiterarbeiten zu können? W a r u m ? Schließlich habe ich für dieses Betriebssystem bezahlt. Sollte ich es dann nicht nach Belieben konfigurieren und verwenden können?

Ein Tipp für andere Geplagte: Ein kleines Heilmittel, das ich entdeckt habe, ist das kostenlose Anti-Spy-Tool O&O ShutUp10, das genau das tut, was sein Name verspricht. Zwar heilt es nicht die Mängel an der Benutzeroberfläche, aber sorgt wenigstens dafür, dass die ganzen Hintertür-Spionage und -Werbe-Aktionen unterbunden werden. Wenigstens etwas.

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