Die Zeit in der Jugendfeuerwehr

Alle, die sich schon ab dem Kindesalter für die Materie begeistern – oder wie ich vom besten Freund zwangsrekrutiert werden -, beginnen ihre freiwillige Karriere bei der Jugendfeuerwehr. Beinahe jede Freiwillige Feuerwehr hat heute neben ihrer Einsatzabteilung (18 bis 66 Jahre) und Ehrenabteilung (ab 67 Jahre) auch eine Jugendabteilung, die Jugendfeuerwehr. In Ausnahmefällen sogar eine Kinderfeuerwehr für die ganz Kleinen.

Hier geht es mal mehr oder weniger ernst zur Sache. Natürlich gibt es viele Spiele, Ausflüge zur Eishalle, zum Minigolf, zum Kino etc. – aber je nach Jugendfeuerwehr und Temperament der Ausbilder werden hier schon eine Menge Disziplin und Feuerwehr-taktisches Wissen vermittelt. Wer die Jugendfeuerwehr hinter sich hat, kann sowohl mit Bastelschere als auch schon mit hydraulischer Rettungsschere arbeiten – je nach Ort der Ausbildung. Meine Erfahrung zeigt: Je näher eine Jugendfeuerwehr am Bundesjugendbüro, der „Zentrale der Deutschen Jugendfeuerwehr“, in Berlin arbeitet, desto mehr verläuft die thematische Tendenz in Richtung Bastelschere.

Highlights waren für mich stets die Übungen mit Blaulicht und Horn auf den letzten Metern und anschließendem Aussteigen, Hochreißen der Rollladen an den Geräteräumen. Dann mit der ganzen bis zu 20 Mann starken Mannschaft (alle zwischen 13 und 17 Jahren) einen Löschangriff aufbauen und ordentlich irgendetwas löschen. Ganz egal. Daneben war der Berufsfeuerwehrtag das Highlight der Karriere in der Jugendfeuerwehr – klingt komisch, ist aber so. Nicht, weil die Freiwillige Feuerwehr uns abwerben und lieber in eine BF stecken wollte, sondern um uns mal im Ambiente der „großen Feuerwehrleute“ ganze 24 Stunden voller Übungen, Dienstsport, Einsätzen und Freizeit an der Wache zu bieten. Ein Freiwillige-Feuerwehr-Tag macht bei aller Liebe natürlich wenig Sinn: Je nach Realitätsgrad des Einsatzaufkommens verlaufen solche 24 Stunden dann entweder ausschließlich auf dem Sofa oder mit maximal ein oder zwei Einsätzen. Dann nennt man das ganze doch besser BF-Tag.

Wird man dann endlich 17 Jahre alt, geht der Ernst los. Der Jugendfeuerwehr gehört man formal weiter bis zum 18. Geburtstag an, doch nimmt man anstelle der lustigen Dienstabende in blau-oranger Kleidung ab jetzt an einer 160-stündigen Grundausbildung teil, auch „Truppmannausbildung“ oder „Anwärterausbildung“ genannt. Dies ist auch der Moment, in dem Quereinsteiger ihr Glück versuchen können. Denn an der Grundausbildung kommt keiner vorbei. Diese erstreckt sich je nach Landkreis über drei Monate bis hin zu einem Jahr. Letzteres war mein Fall. Also hieß es, aufgeteilt in vier Ausbildungsabschnitte, immer Mittwochsabends und Samstagsnachmittags und manchmal auch Sonntagsmorgens: Ausbildung. Angefangen bei Recht, Fahrzeug- und Gerätekunde, über Leitern, Absturzsicherung und Erste Hilfe, Löschangriffe und einsatztaktische Einheiten, bis hin zur technischen Hilfeleistung, etwa bei Verkehrsunfällen. Die Jugendfeuerwehr hatte in all diesen Bereichen schon Grundsteine gelegt und ihre Spuren hinterlassen.

Im Anschluss darf man sich „Truppmann“ nennen und nach Beförderung durch den Leiter der Wehr, je nach Bundesland, „Feuerwehrfrau“ oder „Feuerwehrmann“.

Bei mir kam dieser Tag viereinhalb Jahre nach meiner Einkleidung bei der Jugendfeuerwehr.

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