Alle Mann zu den Strahlrohren!

Jeder – ausnahmslos – jeder der knapp 80 Millionen Bundesbürger, der einen gerechtfertigten Notruf über die Nummern 110 (Polizei) oder 112 (Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz) absetzt, darf umgehende Hilfe erwarten. Die meisten tun das auch. Und gemäß den gesetzlichen Fristen dauert das nicht länger als ca. acht bis zwölf Minuten. Völlig egal, ob der Herr Schmidt aus Friesland sich den Kopf am Fischkutter gestoßen oder die Katze von Tante Hilde im letzten verschlafenen Dorf an der Südgrenze Bayerns auf dem Baum sitzt und nicht mehr herunterkommen will.

Schnelle Hilfe kommt. Garantiert. Darauf darf sich jeder verlassen. Und wenn theoretisch nicht – oder auch nur ein wenig zu spät -, wäre die Hölle los: Dann gehen die Leute plötzlich auf die Barrikaden und verlangen, klagen, beschweren sich, dass sie ein Recht darauf hätten, dass ihnen geholfen werde.
Aber auf der Kehrseite sieht es anders aus. Stellt eine Gemeinde irgendwann fest, dass es akut an Kräften mangelt und die Hilfe möglicherweise tatsächlich nicht geleistet werden könnte, wird sie ihre Bürger auffordern, selbst tätig zu werden; Stichwort: Freiwillige Feuerwehr. Da sind die Leute, die vorher laut gerufen haben, aber plötzlich still. Jetzt, wo man plötzlich nicht mehr bloß im Recht, sondern in der Pflicht ist, will keiner etwas gesagt haben.
Von morgens bis abends und nachts bei Bedarf immer Hilfe haben wollen? „Ja, ich bitte darum!“ – Aber mithelfen? „Keine Zeit. Das sollen lieber die anderen machen“.

Ich habe im Ausland erlebt, wie es sein kann, wenn die Hilfe, die man braucht, tatsächlich nicht kommt. Umso mehr schätze ich die Hilfe, die ich hier jederzeit erwarten darf. Und ich trage spätestens seitdem selbst einen Melder am Gürtel und helfe, wann immer jemand danach ruft.

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